Nahezu täglich werden in der Bundesrepublik Angriffe auf Geflüchtete und Menschen verübt, die herausfallen aus dem beschränkten Konstrukt von Volk und Nation, die nicht deutsch genug sind und deshalb angeblich hier nichts zu suchen hätten. Angriffe auf Unterkünfte, in denen geflüchtete Menschen untergebracht sind, oder untergebracht werden sollen, sind an der Tagesordnung.

Auch die Welle der Solidarität, die vergangen Sommer durch das ganze Land ging, konnte sich nicht lange halten. PEGIDA, AfD& Co. bekommen immer mehr Zulauf. Auf der Straße und im Netz wird offen gehetzt sowie Hass und Gewalt geschürt. Populistisches Stammtischgeschwätz aus den Reihen der so genannten bürgerlichen Mitte bereitet den Nährboden auf dem der Hass und die Gewalt gegen alle, die anders sind, gedeiht. Gerade in diesen Tagen sind konsequente antifaschistische Interventionen notwendiger denn je.

Wir stellen uns entschlossen und aktiv gegen die rassistischen Mobilisierungen der vergangenen Wochen und Monate und stehen solidarisch an der Seite aller Menschen, die ihre Heimat aufgrund von Krieg und Terror, Vertreibung und Verfolgung, Diktatur und Unterdrückung sowie Hunger und sog. „wirtschaftlichen Gründen“ verlassen mussten. Asyl ist Menschenrecht, Flucht kein Verbrechen und kein Mensch ist illegal.

Die Zeit in der wir leben, ist gezeichnet von weitreichenden historischen Umbrüchen. Gleich einem Kartenhaus sind die Regime in der arabischen Welt in sich zusammengefallen. Der „arabische Frühling“, der vor allem ein Aufbruch der Jugend war, ließ die Hoffnung auf eine demokratische und friedliche Zukunft im Nahen Osten und Nordafrika aufblühen. Doch es kam anders. Vier Jahre des Krieges haben den demokratischen Kampf im Blut ertränkt. Das Chaos scheint den Menschen heute nur drei Optionen zu bieten: die Unterwerfung unter das Diktat der alten Regime, sich dem Terror der Islamisten zu ergeben oder eben die Flucht. Doch entwickelt sich gerade in den mehrheitlich von Kurd_innen bewohnten Gebieten eine vierte Option: die demokratischer Selbstverwaltung.

In den mehrheitlich von Kurd_innen bewohnten Gebieten im Norden Syriens, genannt Rojava, entwickelt sich seit nun mehr als 3 Jahren eine ökologische, basisdemokratische und geschlechterbefreite Gesellschaft, die Modell steht für einen friedlichen und demokratischen Nahen Osten. In Rojava wird ein fortschrittliches Gesellschaftsmodell aufgebaut. Demokratische Selbstverwaltung in Räten, der Kampf gegen patriarchale Strukturen sowie eine auf Kooperativen basierende Wirtschaft, jenseits von kapitalistischer Profit- und Verwertungslogik sind wesentliche Elemente der entstehenden neuen Gesellschaft. Wir stehen solidarisch mit den Menschen Rojavas und ihrem Kampf gegen Islamismus und Diktatur. Wir betrachten den Kampf um demokratische Selbstverwaltung und ein freies Leben in Kurdistan ebenso als unseren Kampf hier.

Wir vertreten einen radikaldemokratischen Ansatz und denken das wahre Demokratie mehr ist als alle 4 Jahre ein Kreuz auf einem Zettel zu machen. Wir wollen niemanden der uns vertritt, wir wollen niemanden der uns die Entscheidungen abnimmt, wir wollen eine Gesellschaft in der die Menschen gemeinsam und demokratisch die Probleme angehen und die Entscheidungen an der Basis getroffen werden. Wir wollen eine Gesellschaft die sich selbst verwaltet.

Demokratie bedeutet auch die Wirtschaft demokratisch zu gestalten. Wir denken es bedarf einer Wirtschaftsweise, die an den Bedürfnissen der Menschen und nicht am Profit orientiert ist. Ein Wirtschaftssystem in dem Menschen bei Minusgraden auf der Straße wohnen müssen während Häuser und Wohnungen leer und ungenutzt bleiben, in dem Menschen vor gefüllten Schaufensterscheiben Hunger leiden und an Unterernährung zugrunde gehen und Menschen tagtäglich an eigentlich heilbaren Krankheiten sterben müssen, halten wir nicht nur für irrational und überholt sondern schlicht für grausam und unmenschlich. Diese Wirtschaftsweise, der Kapitalismus, reproduziert Tag täglich Krieg,Armut, Hunger und Not. Ein System in dem der Profit über dem Wohlergehen der Menschen und der Natur steht, kann keine Zukunft für die Menschheit bieten.

Wir haben uns in der Überzeugung zusammengeschlossen, dass es an uns ist jetzt zu handeln und schlimmeres zu verhindern. Es bringt nichts, sich nur an spontanen Aktionen, einer Demo oder Ähnlichem zu beteiligen. Wenn wir wirklich eine breite, umfassende gesellschaftliche Veränderung herbeiführen wollen, müssen wir uns zusammentun, uns organisieren und gemeinsam aktiv werden. Nichts muss bleiben wie es ist und angesichts der Zustände darf nichts bleiben wie es ist.

Die Zukunft ist noch nicht geschrieben – Eine andere Welt ist möglich!

AGIR – Demokratische Jugend

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