Auch am internationalen Tag gegen Rassismus beteiligten wir uns wieder am Protest gegen die rassistische Pegida-Bewegung. Zusätzlich war diesen Montag eine Demonstration unter dem Motto „Hau ab du Jürgen“ der Auftakt der Gegenproteste. Der Anlass: Jürgen Elsässer, Chefredakteur des politischen Querfront-Monatsmagazins „Compact“, welches u. a. rechtspopulistischen, antiamerikanischen und verschwörungstheoretischen Positionen ein Forum bietet, hatte sich für diesen Montag als Redner bei Pegida angekündigt. Seine nur wenige Tage zuvor verlautete Absage aus gesundheitlichen Gründen verhinderte jedoch nicht das Stattfinden der Gegendemonstration. Der Start, eigentlich um 18 Uhr am Sendlinger Tor angesetzt, wurde um einige Minuten durch eine neue Vorschrift der Polizei verzögert, welche besagte, dass Transparente an der Seite des Zuges nicht miteinander verbunden werden dürfen, sondern einen Mindestabstand von 2m haben müssen. Der Demonstrationszug wurde von ca. 400 Antifaschist_innen begleitet und verlief vom Sendlinger Tor über den Marienplatz zum Odeonsplatz, dem Auftaktpunkt der Pegida Demonstration. Dort um kurz vor 19:00 Uhr angekommen wurden wir von weiteren 500 Antifaschist_innen in Empfang genommen. Die rassistische Kundgebung war von der Polizei weiträumig abgesperrt worden, was ein direktes Konfrontieren mit dem Pegida-Zug unmöglich machte. Mit einer im Hofgarten gesammelten Gruppe von 50 Antifaschist_innen liefen wir Richtung Route und sammelten uns, nach einem ersten gescheiterten Versuch über die Marstallstraße ins Innere der Route zu gelangen, am Thomas-Wimmer-Ring. Über mehrere Querstraßen gelangten wir dann zum Isartor, von wo aus wir einen Versuch starteten die Route von hinten her abzulaufen und so Pegida direkt gegenüber zu stehen. Doch dort hatten sich bereits ca. 50 USK-Polizisten positioniert, die nicht nur sofort mit Schlagstock- und Tränengaseinsatz drohten, sondern den Schlagstock sogar gegen mehrere Antifaschist_innen einsetzen. Die Polizei sperrte die Straße mit Gittern und organisierte per Funk mehrere USK-Trupps zur Unterstützung. Um der drohenden Gefahr krankenhausreif verprügelt zu werden zu entgehen, zogen wir uns vorerst auf den Thomas-Wimmer-Ring zwischen Isartor und Maximilianeum zurück. Nachdem wir dort einige Minuten verharrt und mit anderen antifaschistischen Gruppen kommuniziert hatten, stieg unsere Gruppe auf ca. 250 Personen an. Wir verteilten uns anschließend über die Straße wobei sich ca. 80 Antifaschist_innen auf die Gitter setzten, während in 30m Entfernung die wachsende Menge von mittlerweile 150-200 übrigen Personen zwei weitere Sitzblockaden errichteten. Nachdem der Lautsprecherwagen der Polizei vorgefahren war und die Aktivist_innen mehrfach dazu aufgefordert hatte den Platz zu räumen, versuchten einige USK-Trupps einzelne Personen unter dem Vorwand „Widerstand gegen die Staatsgewalt“ zu verhaften. Leider konnten nur einige dieser Festnahmen verhindert werden. Nach einiger Zeit wurde bekannt, dass der Pegida-Zug erfolgreich blockiert worden war, nur bis zum Marienplatz marschieren konnte und dort gezwungen war umzudrehen. Dementsprechend machten auch wir uns dorthin auf den Weg, wobei der Versuch der Polizei uns zu kesseln kläglich scheiterte. Stattdessen wurden einige Wellenbrecher niedergerissen und sowohl Polizisten als auch Aktivist_innen verletzt. Der Konflikt drohte zu eskalieren, da die Polizisten bereits vereinzelt Pfefferspray und Tränengas eingesetzt hatten. Der Großteil unserer Gruppe erreichte jedoch nach wenigen Minuten die einzige Zugangsstraße Richtung Marienplatz, welche von einer Doppelreihe USK-Polizisten mit Schlagstock im Anschlag blockiert wurde. Wir verketteten uns um als geschlossene Gruppe gegen die Polizisten vorzugehen, doch noch bevor wir bereit waren liefen die USK-Truppen in Wellen auf uns zu und knüppelten uns nieder. Nach der dritten Welle kapitulierten wir und begaben uns durch den Hofgarten erneut zum Odeonsplatz, wo wir mit ca. 700 weiteren Antifaschist_innen zusammentrafen. Die rassistische Hetze der Pegida ging nun in einem Pfeifkonzert von über 1.000 Gegendemonstranten unter. Nachdem die Kundgebung von Pegida ihr Ende gefunden hatte und deren Teilnehmer zur abgesperrten U-Bahnstation gingen, kam es erneut zu einer Verhaftung eines Antifaschisten, unter dem Vorwand er habe sich vermummt und Widerstand geleistet. Die Polizei führte die Verhaftung mit übertriebener Gewalt durch, was mehrere Antifaschist_innen dazu brachte dem Genossen zu Hilfe zu eilen. Mit Schlagstöcken versuchten die Beamten die Solidarisierenden zu vertreiben und verhafteten zwei weitere Personen, die der Kamera der Polizei den Mittelfinger entgegengestreckt hatten. Einige Journalisten, welche diese Verhaftungen dokumentieren wollten, wurden durch die Polizei gewaltsam von der Szenerie entfernt. Einer von ihnen wurde letzten Endes in Handschellen abgeführt. Auch nachdem sich diese Situation scheinbar beruhigt hatte wurde ein zuvor noch an der U-Bahn sitzender sich dem Geschehen entziehender Demonstrant festgenommen, da er angeblich unter der Last von 3 USK-Polizisten und dem Einschlag mehrerer Schlagstöcke Widerstand gegen die Staatsgewalt leistete. Auch er wurde mit Handschellen abgeführt und als letzter aller Gefangenen nach mehr als 3 Stunden entlassen.

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