24 Jahre PKK Verbot

-„Kannst du dir sicher sein, dass die nur gegen den IS kämpfen? Ich mein warst du schon mal unten?“, sind die infantilen Fragen eines Passanten, der mich auf einer Pro – PKK Demonstration anspricht. „Nein“ kann ich nur antworten, und dass das irrelevant sei, weil die kurdische Arbeiterpartei mehr als nur das Kämpfen ausmacht. Doch auch knapp ein viertel Jahrhundert nach der Einstufung als terroristische Vereinigung und ebenso nachdem die 20 Uhr Nachrichten  über Monate hinweg Beitrag um Beitrag die PKK behandelten, kennt kaum jemand die Ideologie dahinter. Man vertraut auf die Einschätzungen und Richtlinien der Türkei, der Europäische Union, der USA, des Vereinigte Königreichs, des Irak, Syriens, Saudi-Arabiens und weiterer Staaten, die die PKK allesamt auf ihren Terrorlisten katalogisieren. Und auch seit dem heutigen Tag vor 24 Jahren am 26.Nov des Jahres 1993 hat die PKK in Deutschland keine Daseinsberechtigung mehr. Es war nun amtlich beglaubigt und schriftlich festgehalten: der Westen beginnt mit aller Härte ein weiteres Mal den Kampf gegen eine antikapitalistische Freiheitsbestrebung und liefert dem nach Askese lechzenden Bürger_innen ein neues Schwarz-Weiß Bild.

1999: Abdullah Öcalan wird inhaftiert, wodurch auf einen Schlag der rigorose Patriotismus des 80er Jahre Militärputsches wieder aufflammt.
2013 : Sakine Canzis, Mitbegründerin der PKK und weitere Mitstreiterinnen werden in Paris kaltblütig ermordet, mit höchster Wahrscheinlichkeit vom türkischen Geheimdienst.
Und heute im Jahr 2016 befreit sich Erdogan nach und nach auch von der lästigen Oppositionspartei HDP, indem er eine Abgeordnete nach der anderen in Handschellen abführen lässt, aufgrund des Verdachts, dass eine Nähe zwischen HDP und der kurdischen Arbeiterpartei bestehe.
24 Jahre PKK Verbot. Viel ist seitdem passiert.

Gewandelt hat sich aber nicht nur die politische Lage, sondern auch die Meinungsmache gegenüber der Partei. Schaut man den Presseorganen der westlichen Regierungen in den Rachen, so entdeckt man eine klar zu beziehende Linie: von der PKK abgewandt, dafür dem türkischen Halbmond entgegen. Doch gerade weil man die PKK nur durch die Augen des türkischen Geheimdienstes kennt, sollte ein entscheidender Fakt aufgefallen sein: Erdogan ist ein zwielichtiger Krawallmacher, dessen konstruierte Hypothesen keineswegs auf Fakten basieren.

Schaut man zurück, verstärkt der Werdegang Erdogans diese Ansicht. Noch vor ein paar Jahren seufzten Türk_innen vor Erleichterung: endlich ein Liberaler an der Spitze. Pressefreiheit und wahrhaft demokratische Strukturen waren so nah wie nie zuvor.
So hatte es zumindest den Anschein.
Doch die Rede ist hierbei von der gleichen Person, welche nun ausländische Regierungen unter Druck setzt und versucht, nach der erfolgreichen Einverleibung der eigenen Medien, auch jene außerhalb seines Landes in Reih und Glied zu bringen.
Seit 13 Jahren regiert Erdogan nun die Türkei und lässt dabei keine Gelegenheit aus seine Macht durch Unterdrückung weiter auszubauen. Spätestens nach dem Sinneswandel des türkischen Regierungschefs, die Friedensverhandlungen mit der PKK auf Eis zu legen, könnte aufgefallen sein, dass die Problematik im Machthunger des türkischen Sultans und nicht in der Befreiungsbestrebung der Kurd_innen liegt.

Dieser sich dem türkischen Staat widersetzende Kampf nach Befreiung ist es, der Erdogan vor Wut und Angst zittern lässt und die bereits unterdrückten Kurdinnen und Kurden mehr und mehr in die Propagandamangel der Türkei zwängt. Der Westen kommt ins Spiel, wenn man es für wertvoll befindet die Ziele der Bewegung in Augenschein zu nehmen: Diese behandeln nicht allein den Kampf gegen den türkischen Staat und beschränken sich nicht allein auf die kurdische Gemeinschaft. Sondern verfolgen den Plan, den Mensch per se und zu Beginn und Grundlage des Ganzen, insbesondere die Frau, in die natürliche Herrschaftslosigkeit zu entlassen. Dass dies nur mit der Ablehnung, ja allein mit der Abschaffung des derzeitigen Systems, des Kapitalismus, möglich ist, was von den Herrschenden natürlich in keinster Weise toleriert werden kann. Macht und Reichtum abzugeben schmerzt zu sehr, wenn man an den eigenen Verzicht auf Luxus denkt. Nicht nur die Profiteur_innen denken in diesen Mustern, die Arbeiter_innen , welche klassenstrukturell dem ausbeutenden Milieu weit entfernt sind, auch diese heften allein von der kapitalistischen Soziologie verblendet dem Anhäufen von Besitztum das gesamte Leben, die eigene Seele an. Mensch ist was Mensch besitzt, zumindest in diesem System und so sei es wie Kemal Pir, Mitbegründer der PKK formuliert „Unser Unglück, dass wir keine ehrenhaften Feinde haben.“  Doch dabei bestärkt uns mehr als nur ein Funken Hoffnung: Stellt man sich das Leben außerhalb von Geld Akkumulation und Machtmissbrauch vor, in einem von und für jeden Menschen, jedes Individuum gemachten System, so erkennt man: Die westliche Propaganda gegen die befreiten Gebiete in Rojava, die PKK und Öcalan ist nur ein erstickter Angstschrei, bedenkt man die Kraft und Stärke, die in uns und unseren Utopien steckt.

„Wer die Welt verändern will, muss sie erkennen. Wer sich befreien will, braucht Genossen. Wer Kraft entfalten will, muss sich organisieren. Wer ein freies, menschliches Leben erringen, die Zukunft gewinnen will, der muss kämpfen!“ -Che

So lasst uns kämpfen! Jin, Jiyan, Azadi – Frauen, Leben, Freiheit

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