Seit über 100 Jahren wird am 8. März weltweit ein Zeichen gegen die Unterdrückung von Frauen* gesetzt. Von den frühen Kämpfen um das Wahlrecht für Frauen bis hin zur tiefgreifenden Kritik des patriarchalen Kapitalismus gilt dieser Tag als Kampftag der feministischen Bewegung.
Doch wie intensiv das Leben, besonders das von weiblich sozialisierten Personen, durch dieses schwer greifbare Unterdrückungsmuster “Patriarchat” und “Sexismus” in unserem Alltag eingeschränkt wird, bleibt oft unterschätzt.
Aber was macht diesen Alltagssexismus aus? Wie und wo zeigt er sich und welche Formen kann er annehmen?

Ein Beispiel wäre die Ungleichstellung von Frauen* und Männern im Produktionsprozess. Frauen*, die der Lohnarbeit nachgehen, werden dort im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen statistisch gesehen deutlich schlechter bezahlt und sind in Führungspositionen in Betrieben stark in der Unterzahl.

Dies alleine zu kritisieren wäre aber stark verkürzt, denn Sexismus zeigt sich auch und gerade in gesellschaftlichen Prozessen, im menschlichen Miteinander. Zum Beispiel durch starre Geschlechterrollen, also die gesellschaftlichen Anforderungen und Klischees, die an Menschen aufgrund des Geschlechts, mit dem sie sich identifizieren, gestellt werden. Männlich sozialisierte Menschen müssen stark und sportlich sein, dürfen keine Gefühle zeigen und müssen eine Rolle als “Versorger der Familie” einnehmen. Passen sie nicht in dieses Muster sind sie “Weicheier” und ihnen wird die “Männlichkeit” abgesprochen. Weiblich sozialisierte Menschen müssen sich dagegen um ihr Aussehen und ihre Figur bemühen, brauchen einen Mann an ihrer Seite und müssen die klassische Mutterrolle einnehmen. Alle Menschen, die keinen Bock auf diese festen Muster und Normen haben oder den durch das vorherrschende binäre Geschlechtermodell ihre Identität abgesprochen wird, werden diskriminiert und ausgegrenzt.

Ein weiterer Aspekt, in dem vor allem weiblich sozialisierte Personen diskriminiert werden, ist das Phänomen des “Lookism”. Frauen* werden in unserer Gesellschaft auf ihr Aussehen reduziert. Das hier vorherrschende Schönheitsideal, welches zum Beispiel durch die Werbeindustrie ständig reproduziert und immer unerreichbarer gemacht wird, gilt als Zwang, wie vor allem Frauen auszusehen haben, wenn sie nicht ausgegrenzt und diskriminiert werden wollen. Darunter leiden unzählige Menschen, die dieses Ideal nicht erreichen können und wollen.

Auch sexualisierte Gewalt ist in unserer Gesellschaft alltäglich. In allen Lebensbereichen sehen sich vor allem Frauen* mit ihr konfrontiert. Übergriffe, seien es eine aufdringliche Umarmung oder ungewollte Berührungen, bis hin zu Vergewaltigungen geschehen täglich und die Leiden, welche die Opfer dadurch erleben, sind für Menschen, die sexuelle Gewalt nicht erleiden mussten, oft kaum vorstellbar.

All diese Unterdrückungsformen lassen sich unter einem Nenner zusammenfassen, der unsere Gesellschaft gliedert: Dem Patriarchat. Wir leben in einer Welt, in der dem Mann eine bevorzugte Stellung in der Gesellschaft und in der Familie zukommt. Und dieses Patriarchat lässt sich nur als gesamtgesellschaftliches Unterdrückungsmuster begreifen, welches sich nicht durch eine gesetzliche Gleichstellung von Frauen und Männern aufheben lässt. Der Kampf um die Befreiung der Frau* kann nur zusammen mit einer Kritik aller gesellschaftlichen Unterdrückungsverhältnisse, die unser aller Leben strukturieren, geführt werden. Denn in einem System, in dem sich die verschiedenen Formen von Unterdrückung gegenseitig reproduzieren und bedingen, ist die Emanzipation aus diesen Verhältnissen nur möglich, wenn wir diese Zusammenhänge als Ganzes begreifen und nicht nur die Symptome kritisieren. Und deshalb ist es wichtig, unsere Kritik nicht nur auf einen Tag im Jahr zu beschränken, sondern auch den Frauenkampftag als Symbol für einen dauerhaften Kampf gegen den patriarchalen Kapitalismus zu sehen – einen emanzipatorischen Kampf für die befreite Gesellschaft.

In diesem Sinne, jeden Tag 8. März!

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